Schöne neue Urbanität

© Elsinor Verlag

Science-Fiction aus China boomt zur Zeit, auch und gerade im Westen. In ihrer Novelle Peking falten erzählt die Autorin Hao Jingfang von einer gigantischen Megametropole, die den begrenzten Raum raffiniert nutzt: Die Stadt ist in drei voneinander getrennte Sektoren unterteilt, die sich mittels einer ausgefeilten Mechanik drehen, falten und unter die Erde versenken lassen. Doch das Gesellschaftssystem ist streng hierarchisch und zutiefst ungerecht organisiert. Der einfache Arbeiter Lao Dao bekommt die Gelegenheit, die Sektorengrenzen zu überschreiten und entdeckt die kalte Funktionsweise seiner Welt.

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Ein auswegloses Leben

© Kein & Aber Verlag

Der junge Schwarze Bigger Thomas tötet – mehr aus Versehen denn absichtlich – eine weiße Millionärstochter. Gehetzt von der Staatsmacht und einer rassistischen Meute, die ihn am liebsten gelyncht sehen würde, versucht er, der Verantwortung für sein Handeln zu entkommen. Mit Richard Wrights Sohn dieses Landes wurde 1940 zum ersten Mal in der Literaturgeschichte das Werk eines afroamerikanischen Autors zu einem kommerziellen Erfolg. So kraftvoll der Roman auch nach 80 Jahren noch wirkt, seine ästhetischen und ideologischen Schwächen sind unübersehbar.

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Wie wird man zum Mitläufer?

© Klett-Cotta Verlag

Josef Klein ist ein Mann ohne Ambitionen. Ausgewandert nach New York lebt er vor sich hin, seine einzige Leidenschaft ist das Funken. Anfang der 30er Jahre wird er von einem Spionagering der deutschen Abwehr angeworben und lässt sich auf ein gefährliches Spiel ein. Ulla Lenze hat anhand der Biographie ihres Großonkels einen spannenden Roman geschrieben, der zeigt, wie ein völlig passiver Mann zum Nazi-Mitläufer wird.

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Nichts ist, wie es scheint

© Verlag Klaus Wagenbach

Ein Roman, der scheinbare Gewissheiten ins Wanken geraten lässt: In Sara Mesas Quasi begegnen sich ein alter Kauz und eine junge, in der Schule gemobbte Einzelgängerin. Schnell wird klar, die Geschichte kann nicht gut ausgehen. Doch dieser Text über zwei Außenseiter, über Freundschaft, Vertrauen und Missbrauch zieht einem beim Lesen immer wieder aufs Neue den Boden unter den Füßen weg. Ein irritierend schillerndes, perfekt konstruiertes Stück Literatur.

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Tödlicher Schluckauf

© S. Fischer Verlag

In diesem Frühwerk des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño verdüstert sich das romantische Paris der Vorkriegszeit zu einem surrealen Albtraum. Ein geheimnisvoller Dichter droht an Schluckauf zu sterben und ausgerechnet der weltfremde Akkupunkteur und Okkultist Pierre Pain soll ihn retten. Auch wenn die Handlung zunächst an Kolportage erinnern mag – Monsieur Pain ist eine vertrackte literarische Spielerei und ein großes Lesevergnügen.

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Geschichten vom Ende des Krieges

© Verlag Klaus Wagenbach

In ihrem autobiographischen Buch Der Schmerz erzählt die französische Autorin Marguerite Duras von ihrer Zeit im Umfeld der Resistance kurz vor und nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Eindrucksvoll schildert sie das qualvolle Warten auf ihren verschollenen Ehemann Robert, aber auch die Folter von NS-Kollaborateuren, an der sie als Mitglied der Widerstandsbewegung beteiligt gewesen ist.

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Das Unerzählbare erzählen

© Secession Verlag

Wenn man künftig die Frage diskutiert, wie nachgeborene Generationen fiktional über die Shoa schreiben können, ohne der Banalisierung oder dem Kitsch zu verfallen, wird man stets auf dieses Buch zurückkommen müssen. Der Roman Kanada des jungen spanischen Autors Juan Gómez Bárcena, der vom qualvollen Weiterexistieren eines Lagerüberlebenden erzählt, ist ein literarisches Meisterwerk unserer Zeit.

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Zurück in die Zukunft

© S. Fischer Verlag

Um die viel beklagte Krise des Romans und seines eigenen Schreibens zu überwinden, stürzt sich Alfred Döblin in die tiefste Vergangenheit der Weltliteratur. In uralten indischen Epen findet er Anregung für seine Verserzählung Manas, in der von Tod und Wiedergeburt erzählt wird, von Errettung durch Liebe und der Frage, was den Menschen zum Individuum macht. Ein mutiges Stück experimenteller Literatur.

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Ein spektakulärer Mordprozess

© S. Fischer Verlag

Nach seinen fabulierfreudigen Großromanen wagt sich Alfred Döblin an etwas Neues: In einer halbfiktionalen Reportage geht der Autor einem realen, skandalösen Kriminalfall im Berlin der 1920er Jahre nach. Milieuschilderung und literarischer Stil des Textes weisen bereits auf Berlin Alexanderplatz voraus.

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